Ich kann nicht glaube, dass ich in der Karibik bin. Noch nie zuvor war ich hier und es stand so lange auf meiner Liste. Ich weiß auch nicht was genau ich erwarte, außer viel Sonne, Strand und türkisblauem Wasser.Ich reise nach Jamaika ohne eine genaue Route, da ich wie immer alles auf dem Weg plane. So viel Freiheit und Spontanität ist etwas ungewohnt zu Beginn aber so langsam gewöhne auch ich mich daran.
Nun fahre ich erst einmal mit dem Minibus nach Negril an der Ostküste, wo ich die ersten zwei Nächte in einem Hotel verbringe. Ich taste mich langsam an das Backpackerleben ran und wechsle zwischen 4-12 Bett Gemeinschaftsschlafsälen und Einzelzimmer mit privatem Bad (man gönnt sich ja sonst nichts). Allerdings muss man auch sagen, dass Jamaika kein Backpacker Paradies im eigentlichen Sinne ist. Es mangelt an Hostels und die Lebenshaltungskosten sind über dem regulären Backpacker Budget. Doch auch hier kann man, wie in den meisten Ländern, günstige Alternativen finden und das Budget niedrig halten.


In Negril haut mich der bekannte 7 Mile Beach um. Ich kannte ihn nicht, daher war ich umso mehr erfreut als ich über die Terrasse des Hotels an den weißen Strand trete. Hier gehe ich viel spazieren, insbesondere morgens auf dem Weg zu Frühstück. An sich verbringe ich meine Zeit damit im badewannenwarmen Wasser zu liegen und die Sonne zu genießen. Ein hartes Leben….

Nach erster Erholungsphase geht es mit dem Bus (Knutsford Exress, kann ich nur empfehlen) auf nach Ocho Rios, wo ich zwei Nächte im dortigen Hostel bleibe. Hier erwische ich den vollen Glanz der Regenzeit und verbringe die Tage damit meine Jamaika-Route zu planen und ein Auto zu mieten. So langsam werde ich mutig.

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Am Abreisetag wird mir dann doch etwas mulmig als ich vor meinem neuen Gefährt stehe, nachdem ich die Straßenverhältnisse und Fahrweise ein wenig genauer beobachtet habe. Aber jetzt gibt es kein zurück mehr – Augen zu und durch – oder doch besser Augen auf im Straßenverkehr. Die ersten Kilometer sind aufregend und ich versuche noch jedem Schlagloch auszuweichen – wie sich rausstellt, ein unmögliches Unterfangen in Jamaika (gut, dass ich eine Vollversicherung abgeschlossen habe). So fahre ich nun vor mich hin, am ersten Tag von Ocho Rios über Port Antonio und Zwischenstopp bei der Blauen Lagune, aus dem gleichnamigen Film bis nach Long Bay.

Ich bin ganz schön geschafft und zittere fast, als ich endlich in meiner Unterkunft ankomme (wäre ich doch fast auf den letzten Metern, mitten im Nirgendwo, im Schlamm stecken geblieben). Es wird eine recht kurze und unruhige Nacht, nachdem ich die größte Spinne meines Lebens nachts entdeckt habe. Sie war zwar außerhalb meines Zimmers aber seien wir mal ehrlich, die haben ja nicht umsonst Beine.

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Am nächsten Morgen geht es früh weiter zu den Reach Falls. Die Wasserfälle waren definitiv eines meiner Highlights in Jamaika. Ein Guide hat uns den Wasserfall und im Anschluss den Fluss hinauf geführt und zur Abkühlung tauchen wir dann in die kleinen Höhlen, die sich hinter dem Wasserfall befinden –  einfach magisch! Nach der Abkühlung bin ich bereit, mit kühlem Kopf den Weg an der Ostküste entlang bis Eleven Mile im Süden der Insel zu bestreiten. Ein bisschen übermütig, schiebe ich noch die Reggae Falls ein und mir wird schnell klar, dass die Schlaglochdecke (früher wohl mal eine Straße), die zwei trockenen Flussbetten und die engen Straßen im Wald, definitiv nicht das Richtige für mein Auto sind. Mehr als einmal hat mich das “Bitte, bitte gib jetzt nicht den Geist auf” einige Meter weiter auf diesem Pfad geführt und letztendlich schweißgebadet an den Wunschort. Der Wasserfall war nach dem morgigen Bad leider kein Vergleich und so mache ich mich auf die Weiterreise zur Unterkunft. Tag 2 mit Auto, trotz vieler Hindernisse, unversehrt überstanden.


Am letzten Tag mit Auto nehme ich mir die Berghöhen der Blue Mountains vor. Eine atemberaubende Aussicht auf die umliegende Berglandschaft und die Hauptstadt Kingston bietet sich mir, an dem für mich höchsten Punkt, Catherine’s Peak. Nach den Blue Mountains und einem letzten Abstecher mit dem Auto nach Port Royal, bringe ich mein Gefährt, was mir mittlerweile schon fast ans Herz gewachsen ist, zur Autovermietung zurück.
Nach soviel Aufregung und Programm möchte ich die restlichen Tage in Jamaika genießen und verbringe diese fast ausschließlich in Negril. Ich sage fast, denn es packt mich doch noch einmal die Abenteuerlust und ich fahre einen Tage lang mit den jamaikanischen Route Taxis von Negril nach Treasure Beach. Die Locals schauen mich morgens ein wenig entgeistert an der Rezeption an und schütteln den Kopf: “Das schaffst du nicht in einem Tag. Bist du dir sicher, dass du nicht den sicheren Weg wählen willst und dir einen privaten Taxifahrer nimmst?” Oh ja, ich bin mir sicher – Reise wie die Einheimischen ist mein Motto und ich liebe es (die meiste Zeit ;-) ). Also mache ich mich auf den Weg.

Meine Route ist: Negril Hotel —> Negril Downtown —> Sav(anna la Mar) —> Whitehouse —> Black River —> Treasure Beach und abends den ganzen Spaß noch einmal rückwärts.

Nach dem zweiten Route Taxi habe ich den Dreh raus. Die Locals sind extrem hilfsbereit, zeigen mir die Richtung, in der ich das nächste Taxi finde, schauen mich dennoch in jeder Stadt erstaunt an – ich bin der einzige Tourist, der mit den Route Taxis mit den Einheimischen unterwegs ist. Einer meiner “Reisemomente” an diesem Tag ist als ich von Treasure Beach zurück auf dem Weg nach Black River bin und in einem klapprigen alten Auto auf der Rückbank sitze. Nach wenigen Minuten sitzen wir zu SECHST hinten und der Fahrer hat weitere zwei Beifahrer neben sich. Ich spreche hier nicht von einem Familienwagen, sonder einem normalen 4-Sitzer, den wir mit 9 Personen besetzt haben. Die Kinder stapelten sich auf anderen Mitfahrern und schauten mich mit ihren großen, neugierigen Augen an. Da konnte ich einfach nur lachen und nach kurzem Moment stimmten die Kleinen mit ein. Ich weiß nicht, was einen solchen Moment ersetzen kann und bin zutiefst dankbar auf meiner Reise zu sein.

Zurück im Hotel und auf die Frage, ob ich Negril heute mit dem Route Taxi verlassen habe, nicke ich doch ein wenig stolz, mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. In den Augen des Fahrers vom Hotel kann ich  Respekt aufflackern sehe. Er gibt mir dennoch seine Karte und verspricht mir, mir bei meinem nächsten Besuch in Negril einen guten Preis anzubieten, sollte ich doch mal einen privaten Fahrer wünschen.


Die letzten zwei Tage in Jamaika verbringe ich entspannt am Strand, ich beobachte Klippenspringer und einen atemberaubenden Sonnenuntergang in Rick’s Cafe, genieße die Zeit bei einem spontanen, ausgedehnten Frühstück mit drei polnischen Urlaubern und zuletzt in einem alten Townhouse in Montego Bay, in dem Queen Victoria bei ihrem Besuch in Jamaika nächtigte .
Am nächsten Morgen geht es für einen kurzen Abstecher zurück in die USA, nach Miami. Ich sitze im Flieger und vermisse Land und Leute jetzt schon.

      Ich komme bestimmt einmal zurück!

    Was ich an Jamaika besonders mag?

      • Reach Falls (am besten am frühen morgen gehen, dann hat man den Wasserfall für sich, Guide dazu buchen und sich den Fluss aufwärts führen lassen)
      • Route Taxi fahren
      • Negril 7 Mile Beach (wenn auch sehr touristisch)
      • Blue Mountains

      Weiterführende Reiseimpressionen: The unique beauty of Jamaica