Mit 17 Stunden Verspätung lande ich in Japan, nicht wie geplant in Tokyo sondern in Nagoya aber ich will nicht pingelig sein, endlich bin ich hier. Neuer Ort, neue Planung. Ich bin in Japan, um die Sakura, die Kirschblüte in vollem Glanz zu bestaunen und hoffe, dass sie zu dieser Zeit so weit südlich von Tokyo überhaupt noch zu sehen ist.

Ich buche mich in ein traditionelles Gästehaus (genannt Ryokan) ein, wo ich empfangen werde wie ein Familienmitglied. Vom Flughafen erreiche ich die Unterkunft nach ca. 1 Stunde mit der Bahn, nachdem ich fast vor der Anzeigentafel gescheitert bin (und ich behaupte mal, dass ich mich generell ziemlich gut in neuer Umgebung zurecht finde, in Japan jedoch ticken die Uhren anders). Zwei Japanerinnen sind meine Zimmergenossinnen und ich breite meine Matte auf dem Boden des Zimmers zwischen den Raumteilern aus. Es fühlt sich an, als hätte man mich in eine Filmkulisse eines Klischee-Japan gesetzt – ich finde es großartig.

Die ersten Tage verbringe ich in Nagoya, wo ich die Kirschblüte in wundervoller Pracht um die Burg Nagoya (¥ 500, ca 4,10 €) erlebe. Ein Traum aus rosa Blüten und alt-japanischer Architektur, so langsam begreife ich wirklich, dass ich hier bin.

Zurück in meinem Gästehaus, sind Freunde der Inhaber da, die ein Probeessen für eine Party am nächsten Abend vorbereiten. Die Gruppe aus Freunden besteht darauf, dass ich und ein weitere Gast aus Australien, Teil ihrer illustren kleinen Dinnergesellschaft werden. Bei jedem Happen werde ich genauestens beobachtet und die Köchin strahlt über das ganze Gesicht, sobald sie die pure Freude in meinem Gesicht sieht. Mir werden 2 Gänge serviert: Eine kalte Erbsensuppe mit einem Hauch von Orange und Spinatsalat mit Apfel, rote Beete und einem Jogurtdressing, das nach Weihnachten schmeckt. Alles schmeckt hervorragend und wird abgerundet von japanischem Sangria, welcher mit Sake und Früchten angesetzt wird.

Probedinner

Als ich am nächsten Tag das Gästehaus verlasse, habe ich das Gefühl, Familie und Freunde hinter mir zu lassen. Ich befinde mich nun auf dem Weg nach Osaka, dank der vielen hilfreichen Menschen, die mir den Weg zur Bushaltestelle gewiesen haben (ich dachte bereits, dass ich das System der öffentlichen Verkehrsmittel verstanden hatte aber es war Sonntag und da drehen die Uhren scheinbar anders herum). An der Autobahnraststätte finde ich Automaten für Softdrinks, Kaffee und Pommes Frites (interessantes Konzept aber ausprobieren wollte ich es doch nicht). Ich versuche mein Glück mit einem Kaffee aber versage vollkommen. Ich erhalte nicht den schwarzen Kaffee, den ich unbedingt wollte, sondern einen Kaffee mit viel Milch und Zucker…argh…das übe ich besser nochmal.

Osaka wird mein Ausgangspunkt in Japan, hier verbringe ich die meiste Zeit und verliebe mich in die Stadt. An meinem zweiten Abend mache ich mich auf den Weg, um den Sonnenuntergang von der Burg Osaka aus zu sehen. Das Gelände ist gesäumt von Kirschbäumen und im anliegenden Park werden allabendlich die Kirschblüten beleuchtet. Nachdem die Sonne untergegangen war, versank die Burg im rosaroten Schimmer der beleuchteten Kirschblüten.
Ein wundervoller Ort für ein Picknick, an dem sich Einheimische und Touristen mit Tüten voller Essen und Trinken trafen, Geschäftsleute gemeinsam lachten, Eltern mit Kindern Abendbrot aßen und jeder unter den Kirschblüten posierte.

Die Kirschblüten gesehen und glücklich, dass ich sie tatsächlich noch in einer solchen Vielfalt und an so vielen unterschiedlichen Orten gesehen habe, mache ich mich auf den Weg zu einer weiteren traditionell, japanischen Erfahrung – dem Onsen. Das japanische Bad ist ein wichtiger Bestandteil japanischer Kultur. Ich nutze den ersten Tag meines 1-wöchigen Japan Rail Pass (sehr empfehlenswert, muss allerdings von der Heimat aus bestellt werden) und fahre nach Kinosaki an Japans Westküste, um mich 2 Stunden in einem der Onsen von dem heißen Quellwasser wärmen zu lassen.
Den nächsten Tag lasse ich es etwas langsamer angehen. Ich genieße das Stadtleben in Osaka und Kyoto, wo ich eine hervorragende Ramen Suppe bei Ichiran zu mir nehme, die Temple von Kyoto bestaune und abends eine Freundin aus Melbourne in Gion treffe.

Gion ist der bekannteste Unterhaltungsbezirk und wir schlendern die Gassen im abendlichen Licht entlang als ein Taxi an uns vorbeifährt, auf dem Rücksitz, in voller Grazie, eine Geisha. Ich weiß nicht was ich sagen soll, in der halben Sekunde, in der ich sie sehen konnte, sah sie wunderschön aus.
Der Zauber eines alten Japan liegt immer noch in der Luft als wir in ein Restaurant gehen. Wir bestellen Kleinigkeiten von der Karte und nur wenige Minuten später und nach ein wenig Getuschel um uns herum, erscheint eine Geisha und trifft ihren Begleiter an der Bar schräg vor uns. Wir sind nicht ganz sicher, ob es sich hierbei um ganz normalen Alltag handelt oder ob wir hier gerade Zeuge einer außergewöhnlichen Erfahrung werden. Zurück in meiner kleinen Garagen- Unterkunft nutze ich die Zeit meine Wäsche zu waschen. Wie sich herausstellt ist der Trockner meiner Wäsche nicht gewachsen und ich bin in der glücklichen Position die Wäsche  in meinem Zimmer zu trocknen, da alle anderen 3 Betten leer sind.
Am nächsten Morgen verlasse ich Kyoto sehr früh. Ich komme in dem friedlichen Bergdorf Koya-San an und wusste noch nicht, dass es einer der besten Erfahrungen meiner Reise werden würde. (Mehr über meine Zeit im Temple in Koya-San).
Von Koya-San geht es weiter in den Süden nach Hiroshima, um das Friedensdenkmal zu besuchen. Als großer Liebhaber des guten Essens lasse ich mich zunächst durch die Straßen der Stadt treiben und letztendlich in ein Okonomiyaki Restaurant (japanischer Pancake), welches außergewöhnlich gut ist. Der japanische Pancake wird aus Nudeln, Bambussprossen, Zwiebeln und weiteren Zutaten gemacht. Gestärkt traue ich mich an die Friedensdenkmäler der Stadt. A-Dome ist nur einer der Standorte, die mich sprachlos werden lassen.


Das große Torii des Itsikushima-Schreins vor der Insel Miyajimacho führt mich weiter südlich von Hiroshima. Ich habe nur einen Tag und das Wetter spielt nicht mit. Ist das nicht der Zeitpunkt, zu dem ich echt genervt bin? Aber heute nicht. Das schlechte, trübe Wetter macht den großen Torri eigentlich noch viel interessanter als die Vorstellung des Monument im Sonnenschein.


Nach einer “fliegenden“ Zugreise nach Tokio. Hier habe ich keine feste Route und lasse mich treiben, treffe Freunde aus New York und Tokio, genießeTee in einem hippen Cafe und bemühe mich der Versuchung der zahllosen französischen Bäckereien zu widerstehen, verlaufe mich auf dem Tsukiji Fischmarkt und schlendere durch die bekannte Piss Alley (eine kleine Straßen mit winzigen Restaurants). Einen schönen Abschluss erlebe ich am letzten Abend als mir ein kleines Mädchen im Vorbeifahren Kusshände zu wirft und strahlend hinter mir herwinkt.


Zurück in Osaka lasse ich Japan noch einmal voll auf mich wirken. Am vorletzten Tag besuche ich den Inari Schrein bei Kyoto und die Stadt Kobe.

Von hier geht meine Reise nun weiter nach Vietnam, Kambodscha und Thailand.